Da euch unser letzter Beitrag über die etwas eigene Logik der Strickmathematik offenbar ziemlich aus der Seele gesprochen hat, bleiben wir heute gleich bei den Dingen, die beim Stricken irgendwie völlig normal sind und sich trotzdem nur sehr schwer erklären lassen.
Diesmal geht es um ein Phänomen, das vermutlich in fast jedem Strickhaushalt irgendwo herumliegt: ein UFO.
Nein, wir sind jetzt nicht unter die Verschwörungstheoretikerinnen gegangen. UFO steht in unserem Fall natürlich für „Unfinished Object“ und beschreibt all jene Strickprojekte, die irgendwo auf bessere Zeiten warten.
Aber lasst uns das genau erklären. Es gibt Strickprojekte, die werden begonnen, fertig gestrickt und anschließend glücklich getragen. Und dann gibt es die anderen. Die, bei denen irgendwo zwischen Maschenanschlag und Abketten etwas Tragisches passiert ist. Und genau diesen Tragödien wollen wir heute mal auf die Spur gehen.
Die Ärmel-Tragödie wäre da zum Beispiel so ein absoluter Klassiker. Der Körper ist fertig, die Passform stimmt und wir haben das Projekt vielleicht sogar schon anprobiert. Dann kommen die Ärmel. Ganze zwei Stück davon.
Einen Ärmel schafft man meistens noch ganz gut, beim zweiten stellt sich dann allerdings irgendwann die berechtigte Frage, warum ein Mensch überhaupt zwei Arme braucht. Schließlich haben wir doch gerade bewiesen, dass wir Ärmel stricken können. Warum sollen wir das jetzt also noch einmal machen? Und so liegt der Pullover mit einem fertigen und einem nicht existierenden Ärmel im Korb. Nicht aufgegeben, versteht sich. Nur kurz pausiert. Seit Februar.
Die Einzel-Socken-Tragödie dürfte sich auch in vielen Strickhaushalten zutragen. Die erste Socke ist fertig, wunderschön und passt perfekt. Eigentlich ein voller Erfolg. Wäre da nicht die Tatsache, dass Füße üblicherweise, genau wie Hände, paarweise auftreten.
Nachdem wir also eine komplette Socke inklusive Bündchen, Schaft, Ferse und Spitze gestrickt haben, sollen wir exakt dasselbe noch einmal machen? Vielleicht sogar noch mit derselben Wolle, demselben Muster und derselben Ferse, obwohl wir das alles doch gerade erst hinter uns gebracht haben?
Plötzlich wirkt jedes andere Projekt überraschend interessant. Die Socke wartet derweil geduldig auf ihre Partnerin. Manche bekommen sie irgendwann tatsächlich. Andere führen ein langes, einsames Leben.
Die Fäden-Tragödie ist eigentlich die lächerlichste von allen. Das Strickstück ist komplett fertig, wir haben Stunden, Tage oder Wochen investiert und müssten jetzt wirklich nur noch die Fäden vernähen. NUR NOCH DIE FÄDEN!
Und trotzdem landet das gute Stück in der Strickkiste, weil wir das „später schnell“ machen. Aus später wird nächste Woche, aus nächster Woche irgendwann und plötzlich liegt da seit Monaten ein fertiger Pullover, der nur wegen sechs nicht vernähten Fäden nicht getragen werden kann.
In der Zwischenzeit starten wir natürlich problemlos drei neue Projekte. Aber diese sechs Fäden? Keine Chance.
Ganz hinterhältig ist die Fehler-Tragödie. Es lief eigentlich alles hervorragend. Bis zu diesem einen Moment. Eine Masche fehlt, das Muster geht plötzlich nicht mehr auf, irgendwo haben wir falsch zugenommen oder wir schauen drei Reihen später genauer hin und merken: Das sollte definitiv anders aussehen.
Jetzt gäbe es natürlich mehrere vernünftige Möglichkeiten. Wir könnten zurückstricken, auftrennen, den Fehler suchen, die Anleitung noch einmal lesen oder jemanden fragen, der mehr Ahnung hat. Oder wir wählen die deutlich angenehmere Variante und legen das Projekt erst einmal zur Seite, weil wir heute wirklich keine Nerven dafür haben.
Dann wandert es in eine Projekttasche, die Projekttasche in einen Schrank und irgendwann ist ausreichend Zeit vergangen, dass wir erfolgreich verdrängt haben, warum wir eigentlich aufgehört haben. Bis wir es Monate später wiederfinden, uns den Fehler ansehen, uns sofort wieder an alles erinnern und es zurücklegen.
Wenn Strickprojekte dann so lange pausiert haben, dass ihre komplette Entstehungsgeschichte verloren gegangen ist, spricht man von der Gedächtnislücken-Tragödie.
Man öffnet irgendwann eine Tasche und findet darin ein halbes Strickstück, mehrere Knäuel und eine Rundstricknadel. Welche Größe haben wir gestrickt? Wo ist die Anleitung? Was sollte das überhaupt werden? Man betrachtet das Gestrick eine Weile und hofft, dass das Gehirn irgendeine Erinnerung freigibt. Tut es nicht.
Besonders hilfreich sind in solchen Situationen handgeschriebene Notizen aus der Vergangenheit mit der Information „noch 4 x“. Viermal was? Keine Ahnung! Aber offenbar war uns diese Information damals vollkommen ausreichend.
Und falls ihr euch jetzt fragt, wie viele UFOs noch als normal gelten, möchten wir uns an dieser Stelle erst einmal lieber nicht festlegen. Wir müssten dafür nämlich zuerst unsere eigenen zählen.
Naja, in diesem Sinne: Lasst uns mit der dieswöchigen Strickinspiration starten. Nur so viel vorweg: Wir übernehmen natürlich keine Verantwortung dafür, wenn das aktuelle Strickprojekt aufgrund neuerlicher Euphorie über ein noch schöneres Projekt plötzlich in Vergessenheit gerät.
Weiterlesen ab hier also auf eigene Gefahr.
Anne Ventzel hat mal wieder Vollgas gegeben und gleich zwei neue Modelle für uns designt. Da wäre zum einen der Pullover „Winter Wind“, bei dem wir die rote Variante fast noch schöner finden als das eigentliche Titelbild. Schaut also unbedingt einmal rein.
Und dann wäre da noch der „Bias Blocks”-Schal, für den Anne gleich jede Menge Farbkombinationen gestrickt und fotografiert hat.
Wir sind sehr gespannt, für welche Schalkombis und Pulloverfarben ihr euch entscheidet.
Für das nächste Projekt hätten wir beinahe mal wieder alles stehen und liegen gelassen und sofort angeschlagen. Die Rede ist vom „Mysa Shawl“ von Aegyoknit, der übrigens auch bei euch gerade richtig die Runde macht.
Die Anleitung ist anfängerfreundlich und noch dazu gratis. Da wird die Versuchung natürlich schon sehr groß. Besonders schön finden wir auch die mehrfarbige Variante.
Ebenfalls von Aegyoknit ist die „Ulalume Blouse“. Die Anleitung gibt es zwar schon länger, irgendwie hatten wir den Pulli bisher aber gar nicht so richtig auf dem Schirm. Naja, besser spät als nie: Wir haben ihn jetzt für euch als Strickkit angelegt, damit ihr direkt loslegen könnt. Vorausgesetzt natürlich, ihr steht nicht gerade vor dem Start eurer zweiten Socke.
Weiter geht’s mit einem Projekt, bei dem ihr euch keine Sorgen machen müsst, dass ihr es mal eben schnell zwischendurch anschlagt. Die Rede ist von der superedlen „Quill Blouse“ von Odd Row. Schon allein die Materialien sorgen dafür, dass man dieses Projekt mit etwas mehr Ruhe und Geduld angeht. Mulberry Silk und Silk Mohair von Isager verleihen der Bluse zudem einen unglaublich schönen, weichen Fall.
Zwei Modelle aus der aktuellen Sandnes-Kollektion waren in den letzten Tagen ganz klar eure Favoriten. Beide haben uns ein bisschen überrascht, weil sie deutlich verspielter sind, als wir es von Sandnes sonst gewohnt sind:
Und natürlich haben wir uns das Highlight des Tages bis ganz zum Schluss aufgehoben. All jene, die unsere Beiträge also immer fleißig bis zum Ende lesen, werden jetzt belohnt: Wir haben ein neues Garn!
Wir wissen, diese Information ist ausgerechnet jetzt, wo ihr euch alle so bemüht habt, keine neue UFO-Tragödie zu verursachen, besonders gemein. Aber wir können es einfach nicht länger für uns behalten.
Die Rede ist von „Elements DK“ von Èriu. Das Garn besteht aus 100 % reiner irischer Wolle und stammt direkt vom eigenen Èriu-Hof sowie aus einem ausgewählten Fair-Trade-Netzwerk irischer Landwirte. Die Mischung aus Romney-Lammwolle und Bluefaced Leicester macht das Garn besonders weich, gleichzeitig aber auch strapazierfähig und sorgt für einen wunderschönen Glanz und Fall.
Auch die Farben erzählen ihre eigene Geschichte: Die Elements-Kollektion ist in die vier Paletten Luft, Wasser, Feuer und Erde unterteilt. Jede davon ist von einem bestimmten Ort in Irand inspiriert, an dem das jeweilige Element besonders stark spürbar ist. Selbst die Farbnamen greifen die irische Mythologie auf und machen die ganze Kollektion noch einmal ein Stück besonderer.
Kurz gesagt: sehr viel Irland in sehr schönen Knäueln.
Das war’s von uns für heute. Wir entlassen euch damit ins Strickwochenende und vielleicht wurde bei der einen oder anderen ja doch ein schlechtes Gewissen geweckt. Wer weiß, vielleicht wird am Wochenende tatsächlich noch ein UFO aus der Verdammnis geholt und endlich fertiggestellt. Falls ja: Bitte berichtet uns!
Wir lesen uns in zwei Wochen wieder und wünschen euch bis dahin wie immer gutes Gelingen bei euren alten, neuen und vielleicht doch noch fertig werdenden Strickprojekten.








