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WOLLE & STAUNE · BLOG & NEWS

Eine Strickanleitung, die sehr überzeugt von sich war

Es gibt Wörter, die beim Stricken sehr beruhigend klingen. „Einfach“ zum Beispiel. Oder „anfängertauglich“. Oder, besonders schön: „foolproof“.

Da liest man das und denkt sich: Na bitte. Genau mein Projekt. Sicher verständlich, sicher machbar, sicher nichts, wo man später mit leicht verzweifeltem Blick auf die Nadeln starrt.

Tja. Nur weil eine Anleitung sagt, sie sei einfach, heißt das leider noch lange nicht, dass man selbst der gleichen Meinung ist. Manchmal schaut man auf die Anleitung, auf die Nadeln, dann zurück auf die Anleitung und merkt: „Einfach“ ist ein sehr dehnbarer Begriff.

So ungefähr war es auch bei mir.

Ich, Evelyn, habe euch ja schon erzählt, dass ich letzten Herbst endlich mit dem Stricken begonnen habe. Erstes kleines Projekt und sofort schockverliebt. Seitdem möchte ich in jeder freien Minute eigentlich nichts anderes mehr machen. Sehr schön für die innere Ruhe, eher mittelpraktisch für Haushalt und Schlafenszeiten.

Angefangen habe ich ganz harmlos. Mit unzähligen Sophie Scarves und mehreren kleinen Projekten. Alles in einem Bereich, in dem man sich noch einreden kann: Ich habe das jetzt verstanden. Und dann dachte ich vor ein paar Wochen: Jetzt ist es so weit. Ich bin bereit für etwas Größeres.

Ich habe also ein Projekt gefunden, das schon im Namen das Wort „Foolproof“ trägt. Dazu die Versprechen: Videoanleitungen, Anfängerprojekt, gut erklärt.

Kurz darauf habe ich mir auch gleich die passende Wolle für dieses besagte Projekt zugelegt. Für einen, sagen wir einmal, nicht ganz niedrigen Geldbetrag. Wobei das beim Stricken ja eine eigene Logik hat: Einen fertigen Pullover um dieses Geld würde man im Geschäft niemals kaufen, ich zumindest nicht. Aber sobald dasselbe Geld in Wolle investiert wird, fühlt es sich total vernünftig an.

Ich saß also nun da mit meiner schönen neuen Wolle, meiner Anleitung, meinen Nadeln und sehr viel Vertrauen in das Wort „foolproof“.

Ich schlug meine Maschen an. Die erste Reihe rechts. Wunderbar. Alles gut. Ich war in Gedanken eigentlich schon beim fertigen Pullover.

Und dann kam die zweite Reihe. Glatt rechts stricken. Klingt harmlos, oder? Nur hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben noch nie linke Maschen gestrickt. Noch nie! Meine bisherigen Projekte hatten mich offenbar sehr freundlich davor beschützt. Und plötzlich saß ich da und stellte fest: Glatt rechts bedeutet nicht einfach immer rechts. Wieder etwas gelernt.

Also musste ich linke Maschen lernen. Mittlerweile kann ich sie. Lieben tue ich sie trotzdem nicht. Aber gut. Linke Maschen gelernt, weiter in der Anleitung. Und dann stand da plötzlich das nächste große Mysterium: rechte Zunahmen und linke Zunahmen.

Ich las es. Ich las es noch einmal und wurde aus den Worten leider nicht klüger. Aber es gab ja, wie versprochen, Videoanleitungen. Ich öffnete also das YouTube-Video, bereit für Hilfe und ein bisschen sanfte Begleitung durch die Welt der Zunahmen. Und dann stellte ich fest: Die Videoanleitungen haben keinen Ton. Gar keinen!

Zuerst dachte ich natürlich, es liegt an mir. Vielleicht ist mein Handy stumm. Vielleicht bin ich plötzlich unfähig den Ton einzuschalten. Aber nein. Das Video war tatsächlich stumm.

Also saß ich da und versuchte, ganz genau zu beobachten, was die Hände im Video machen. Welche Bewegung? Welche Masche? Von vorne? Von hinten? Warum geht das bei ihr so ruhig und bei mir schaut es aus wie ein einziger Kampf?

An diesem Punkt habe ich kurz auf mein großes Wollsackerl geschaut und gedacht: Das war alles für die Katz. Das kriege ich niemals hin. Foolproof hin oder her, offenbar war ich gerade dabei, das Gegenteil zu beweisen.

Es folgte eine Phase, die man rückblickend vielleicht als „Intensivtraining“ bezeichnen könnte. Weniger schön gesagt: Ich habe unzählige Male alles wieder aufgetrennt und von vorne begonnen. Immer wieder hatte ich riesige Löcher im Strickstück. Für mich war nämlich nicht ersichtlich, dass man bei der linken Zunahme verschränkt stricken muss. Und wenn man das nicht weiß, dann weiß man es eben nicht.

Irgendwann habe ich es dann aber mit ein bisschen Hilfe geschafft. Nicht besonders elegant. Nicht beim ersten Mal. Nicht ohne Sinnkrisen. Aber geschafft.

Mittlerweile ist mein Strickstück ungefähr 250 Maschen breit und 20 Zentimeter lang. Es existiert und es wächst. Und nur weil etwas als einfach beschrieben wird, heißt das nicht, dass man sich dumm fühlen muss, wenn man es trotzdem nicht versteht! Manchmal braucht es einfach ein bisschen Geduld, ein bisschen Humor, ein paar Neustarts und vielleicht jemanden, der kurz mit draufschaut.

Evelyn ist aber tatsächlich nicht die Einzige, die gerade ein neues Abenteuer gewagt hat. Auch bei Sabine herrscht aktuell Ausnahmezustand. Das hat allerdings weniger mit unverständlichen Strickanleitungen zu tun, sondern mit einer neuen tierischen Begleiterin.

Nachdem Sabines und Christians Hund Rupert letzten Oktober gestorben ist, waren sie und ihr Mann sich eigentlich einig, dass so schnell kein neuer Hund einziehen wird, weil die Trauer so groß war. Tja. Und dann kam Karla.

Eine dreijährige, zuckersüße Westie-Dame mit ordentlich Feuer unterm Hintern. Die verkürzten Sommeröffnungszeiten werden also aktuell dazu genutzt, diese kleine Rakete irgendwie im Zaum zu halten.

Jetzt aber wieder zurück zu den wolligen Themen und zu ein bisschen neuer sommerlicher Strickinspo für euch. Wobei wir gleich dazusagen: Für Wörter wie „einfach“ oder „schwer“ übernehmen wir aus gegebenem Anlass keine Haftung.

  • Helga Isager I Pearl Tee
    Helga Isager I Pearl Tee
  • Isager I Willow Scarf
    Isager I Willow Scarf
  • Isabell Kraemer I Sommertide
    Isabell Kraemer I Sommertide
  • Sandnes Garn I Adeline Singlet (2604-1)
    Sandnes Garn I Adeline Singlet (2604-1)
  • PetiteKnit I Teddy Clutch Summer
    PetiteKnit I Teddy Clutch Summer
  • PetiteKnit I Wave Tee
    PetiteKnit I Wave Tee
  • Moreca knit I Chantal Top
    Moreca knit I Chantal Top
  • Sandnes Garn I  Clementine Top (2504-04b)
    Sandnes Garn I Clementine Top (2504-04b)
  • My Favorite Things Knitwear I Camisole Nr. 2
    My Favorite Things Knitwear I Camisole Nr. 2

Nicht ganz neu, aber definitiv eine sehr schöne sommerliche Alternative: Für das Grape Tee von Anne Ventzel könnt ihr auch wunderbar die Mulberry Silk von Isager verwenden. Denn wer strickt im Sommer nicht gerne mit ein bisschen Seide?

  • Isager I Mulberry Silk
    Isager I Mulberry Silk
  • Anne Ventzel I Grape Tee
    Anne Ventzel I Grape Tee

Falls ihr euch bei der Farb- oder Garnwahl für euer nächstes Projekt manchmal schwer tut: Wir haben ein bisschen Abhilfe geschaffen.

Von der wunderbaren japanischen ITO haben wir jetzt nämlich auch Farbkarten für euch. Gerade bei so hochwertigen Garnen ist das wirklich praktisch, weil Farben am Bildschirm ja manchmal leider ein kleines Eigenleben führen.

  • Ito I Farbkarten
    Ito I Farbkarten

Nun sind wir aber auch schon wieder am Ende angelangt. Evelyn muss nämlich dringend an ihrem Projekt weiterarbeiten und Sabine hat mit Karla vermutlich auch keine Langeweile.

Wir hoffen, ihr konntet euch wieder ein bisschen amüsieren und vielleicht die eine oder andere Strickinspo mitnehmen. Für eure eigenen Projekte wünschen wir euch auf jeden Fall gutes Gelingen, möglichst verständliche Anleitungen und Garne, die nicht allzu sehr beleidigt sind, wenn man sie wieder auftrennen muss.

Bis in zwei Wochen.

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