Es gibt Menschen, die behaupten, man könne den Charakter einer Person an ihrem Sternzeichen erkennen. Andere schwören auf Persönlichkeitstests und wissen nach zehn Fragen angeblich ganz genau, wer man ist.
Wir hätten da eine andere Theorie.
Gib einem Menschen Wolle, Nadeln und eine Strickanleitung und du weißt ziemlich schnell, mit wem du es zu tun hast. Manche lesen eine Anleitung zuerst komplett durch. Andere finden schon den ersten Absatz ein bisschen übertrieben und denken sich: Das ergibt sich dann sicher beim Stricken.
Was erstaunlich oft auch stimmt. Bis es das plötzlich nicht mehr tut.
Wir haben uns einmal angesehen, welche Stricktypen einem doch verdächtig oft begegnen.
Die Planerin
Die Planerin hat ihr nächstes Projekt nicht einfach ausgesucht, sie hat es vorbereitet. Sie weiß schon vor dem Betreten des Wollshops genau, welches Garn sie verwenden möchte, wie viel sie davon braucht und welche Nadeln dazugehören. Selbstverständlich wurde auch schon eine Maschenprobe gestrickt. Gewaschen natürlich, weil eine ungewaschene Maschenprobe ungefähr so aussagekräftig ist wie die Größenangabe „One Size“.
Wahrscheinlich hat sie außerdem schon überprüft, ob die Farbe des Pullovers zu mindestens drei Hosen passt, und die Knöpfe sind vermutlich ebenfalls längst bestellt.
Wir finden das auf jeden Fall beeindruckend. Vor allem, weil wir nicht wissen, wie man so sein kann.
Die „Ich brauch keine Anleitung“-Fraktion
Am anderen Ende des Spektrums gibt es Menschen, die Strickanleitungen eher als freundliche Empfehlung verstehen. Man schaut sich das Foto an, überfliegt kurz die ersten Zeilen und denkt sich: Ja, das Prinzip ist eigentlich klar.
Ein Gedanke, der beim Stricken erstaunlich oft unmittelbar vor einem Problem auftaucht.
Spätestens wenn plötzlich sieben Maschen fehlen oder der Halsausschnitt verdächtig klein aussieht, wird die Anleitung dann doch wieder hervorgeholt. Diesmal sogar ziemlich genau gelesen und zwar mit einer Ernsthaftigkeit, die man sich vielleicht drei Stunden früher gewünscht hätte.
Die Chaotin
Die Chaotin hat selbstverständlich auch eine Anleitung. Irgendwo.
Vielleicht als Screenshot am Handy, vielleicht ausgedruckt oder in einem Browserfenster, das seit drei Wochen auf keinen Fall geschlossen werden darf. Das Projekt liegt in einer Tasche, die Nadeln möglicherweise in einer anderen und welche Größe eigentlich angeschlagen wurde, müsste man kurz nachschauen. Wenn man nur wüsste, wo.
Erstaunlicherweise funktioniert dieses System oft ziemlich lange. Bis man nach zwei Monaten weiterstricken möchte und mitten in der Anleitung eine Notiz mit „ACHTUNG!“ findet.
Worauf genau man achten sollte, weiß inzwischen natürlich niemand mehr. Aber offensichtlich war es wichtig.
Die Perfektionistin
Dann gibt es jene Menschen, die einen Fehler nicht einfach Fehler sein lassen können. Auch keinen sehr kleinen und auch keinen, den außer ihnen vermutlich niemals jemand bemerken würde.
Wenn irgendwo eine Masche anders aussieht, wird zuerst überlegt, ob man damit leben kann. Man betrachtet sie von allen Seiten und versucht sich einzureden, dass es später sicher nicht mehr auffällt.
Aber man kann damit einfach nicht leben. Also wird aufgetrennt. Zehn Reihen, zwanzig Reihen, notfalls auch noch einmal von vorne begonnen. Während andere an dieser Stelle vermutlich kurz am Strickstück ziehen und beschließen würden, dass sich das beim Waschen schon irgendwie auflöst.
Die Perfektionistin hat am Ende dafür ein ziemlich perfektes Ergebnis. Falls es halt irgendwann fertig wird.
Die Euphorische
Die Euphorische braucht nur ein einziges schönes Bild.
Ein neuer Pullover taucht auf Instagram auf und plötzlich ist klar: Genau so einen hat man immer gesucht. Eigentlich erstaunlich, dass man bisher ohne ihn ausgekommen ist.
Also wird Garn bestellt und am liebsten noch am selben Abend angeschlagen. Drei Tage später läuft alles wunderbar und man ist überzeugt, dass dieses Projekt jetzt wirklich in Rekordzeit fertig wird.
Bis man zufällig einen sehr schönen neuen Cardigan entdeckt und das ganze Spiel von vorne losgeht.
Genau deshalb besitzt die Euphorische irgendwann sieben Projektbeutel und sagt: „Ich stricke gerade eigentlich nur an zwei Sachen.“ Was technisch gesehen stimmt, denn die anderen fünf ruhen gerade.
Die Treue
Und dann gibt es Menschen, die etwas gefunden haben, das funktioniert, und keinen Grund sehen, daran etwas zu ändern.
Der Pullover passt, die Anleitung war angenehm und das Garn trägt sich gut. Warum also unnötig experimentieren? Man strickt ihn einfach noch einmal. In einer anderen Farbe natürlich. Und später vielleicht noch einmal mit einem anderen Garn, was dann ja eigentlich schon wieder etwas ganz anderes ist.
Von außen betrachtet könnte man meinen, drei fast identische Pullover seien ein bisschen viel. Aber von außen betrachtet hat man oft sehr leicht reden.
Und welcher Typ seid ihr?
Wahrscheinlich erkennt sich die eine oder andere sowieso gleich in mehreren Kategorien wieder. Ein bisschen Planerin hier, ein bisschen Chaotin da und spätestens beim nächsten besonders schönen Modell vielleicht doch wieder sehr spontan unterwegs.
Am Ende ist es wahrscheinlich auch völlig egal, zu welchem Stricktyp man gehört. Hauptsache, die Nadeln bleiben nicht allzu lange leer.
Und genau dafür sorgen wir natürlich weiterhin zuverlässig, denn die neuen Lana-Grossa-Hefte sind da und liefern wieder jede Menge neue Strickinspiration. Einige von euch haben ihre Favoriten daraus sogar schon auf den Nadeln und bei der Auswahl wundert uns das ehrlich gesagt auch nicht.
Es gibt außerdem ein ganz neues, wunderschönes Design von Anne Ventzel, für das wir euch natürlich direkt ein passendes Strickkit angelegt haben. In dieser Hinsicht gehören wir nämlich ganz eindeutig zur Fraktion der Euphorischen: Wenn uns ein Modell überzeugt, muss es sofort im Onlineshop angelegt werden.
Was natürlich auch direkt im Onlineshop angelegt werden musste, sind die umwerfenden neuen Designs von Aegyoknit. Da ist wirklich ein Modell schöner als das andere und die Entscheidung, welches davon zuerst auf die Nadeln darf, wird entsprechend schwierig. Aber gut, wir sehen das einfach als ein sehr angenehmes Problem.
Ebenfalls unglaublich cool finden wir die Designs von Rastus Hsu. Was uns daran besonders fasziniert, ist der japanische Einfluss, den man auf den ersten Blick erkennt und der den Modellen ihren ganz eigenen Charakter gibt. Und wenn sich diese Designs dann auch noch mit ITO-Garnen aus Japan umsetzen lassen, schließt sich für uns einfach wieder einmal sehr schön der Kreis.
Genau solche Kombinationen mögen wir besonders: durchdachtes Design, spannende Details und ein Garn, das nicht nur irgendwie passt, sondern das gesamte Konzept noch stimmiger macht. Also eigentlich ziemlich ideale Projekte für alle Planerinnen unter uns, bei denen am besten schon vor dem Anschlagen alles zusammenpassen darf.
Und wo wir schon bei passenden Projekten für die verschiedenen Stricktypen sind: Die Blouse No. 5 von My Favorite Things Knitwear ist ein ziemlich gutes Projekt für alle Perfektionistinnen unter uns. Man kann sie zwischendurch immer wieder anprobieren und die Länge so lange anpassen, bis wirklich alles perfekt sitzt.
Fast vergessen hätten wir noch eine ganz eigene Kategorie: die Sparsamen. Also jene, die auch den letzten Wollrest noch irgendwo unterbringen, weil man schließlich nichts umsonst gekauft hat. Und natürlich jene, die ganz geduldig darauf warten, dass Strickdesigner:innen endlich wieder einmal eine kostenlose Anleitung veröffentlichen, bevor überhaupt über ein neues Projekt nachgedacht wird.
Keine Sorge, auch ihr habt eure Berechtigung – und kommt diesmal sogar besonders auf eure Kosten: Einige ältere Anleitungen für Babydecken von Sandnes Garn sind mittlerweile kostenlos erhältlich.
Also wenn ihr auf ein Zeichen gewartet habt: Das wäre dann wohl dieses.
Und für alle, die doch gewillt sind, ein paar Euro in eine Anleitung zu investieren: HIER findet ihr auch noch all unsere Babydecken auf einen Blick.
Und damit war’s das auch schon wieder von uns für diese Woche. Egal ob Planerin, Perfektionistin, Chaotin oder Mitglied der sehr geduldigen „Ich warte auf die Gratis-Anleitung“-Fraktion – wir hoffen, es war wieder die eine oder andere passende Idee für euch dabei.
In zwei Wochen lesen wir uns wieder mit neuen wolligen News, frischen Modellen und allem, was sich bis dahin sonst noch so tut.











