Habt ihr eigentlich schon mal darüber nachgedacht, dass es in der Modewelt manchmal ein bisschen zugeht wie beim Wetterbericht? Ständig ein neuer Trend im Anmarsch – angeblich unverzichtbar, aber gefühlt auch so schnell wieder verschwunden, wie er aufgetaucht ist. Und wir? Wir lassen uns wenig davon beeindrucken, schauen vielleicht kurz von unserem Strickstück auf und denken uns: Aha. Schön für euch. Ich strick jetzt erst mal noch zehn Reihen.

Stricken ist die vielleicht charmanteste Art zu sagen: „Ich zieh einfach genau das an, was mir gefällt.“ Ohne Saisonstress, ohne Trendpanik aber halt dafür mit Maschenprobe – die wir theoretisch natürlich immer brav machen. Als Stricker*in muss sich dein Stil nach niemandem richten. Du kannst eine Anleitung ausgraben, die vor zehn Jahren erschienen ist, und wenn du sie heute noch liebst, dann ist sie offenbar nicht alt, sondern einfach nur gut.

Und dann diese Sache mit den Farben. In der Modewelt wird uns ja gern erklärt, was wir wann zu tragen haben: Im Frühling bitte Lilac, im Sommer Buttergelb, im Herbst dann unbedingt Rostbraun und im Winter natürlich Ultramarinblau. Ganz ehrlich? Das ist uns einfach zu anstrengend.

Zum Glück herrscht beim Stricken in Sachen Farben komplette Eskalationsfreiheit. Da darf der Frühling auch mal dunkelgrün sein, der Winter knallpink und der Sommer einfach genau das Blau, das uns seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht. Ganz ohne Trendvorgabe, ganz ohne „trägt man das noch so?“. Wir können unsere ganz persönlichen Traumfarben wählen – auch die, die es von der Stange wahrscheinlich nie geben würde, weil sie irgendwo als „out of fashion“ abgestempelt wurden.

Manche von euch werden jetzt vielleicht sagen: „Aber in der Strickwelt gibt’s doch auch ständig neue Anleitungen!“ Stimmt. Würden wir auch nie abstreiten – immerhin sind wir euer Nummer-1-Strickdealer. Der feine Unterschied ist nur: Strickanleitungen hängen nicht fix und fertig an der Kleiderstange. Sie sind erst mal nur eine Idee auf Papier oder Bildschirm. Damit daraus ein Kleidungsstück wird, braucht es dich, deine Zeit und vor allem deine Entscheidungen.

Für viele sind Anleitungen sowieso eher liebevolle Empfehlungen als strenge Regeln. Du kannst dich an alles halten. Musst aber nicht. Vielleicht werden die Ärmel länger, vielleicht kommt ein kleines Muster dazu, weil es dich anlacht. Vielleicht änderst du nur eine Kleinigkeit und fühlst dich dabei wie eine rebellische Strickdesignerin.

Genau so wird aus dem Modell aus dem Heft ganz schnell ein Pulli nach deinen Regeln. Und genau da liegt der Unterschied: Trends geben vor. Stricken lässt Raum.

Dieser selbstgestrickte Kleidungsstil ist außerdem angenehm langsam. Nicht im Sinne von „man wird nie fertig“ (auch wenn wir alle dieses eine Projekt haben, das gefühlt schon zwei Lebensphasen miterlebt hat), sondern im Sinne von bewusst. Jede Masche geht durch deine Hände. Und selbst wenn du zu den Turbo-Strickerinnen gehörst, die mal eben drei Teile im Monat raushauen – es ist trotzdem geplant, ausgesucht und mit Herz gemacht. Kein spontaner Einkaufsunfall.

Am Ende trägst du also keinen schnelllebigen Trend und auch kein Logo, das in sechs Monaten vielleicht schon wieder aus der Mode ist. Sondern deine Lieblingsfarben, deine bevorzugten Schnitte und ja, vielleicht auch den einen oder anderen charmanten Strickfehler. Aber genau der gehört eben auch dazu.

Wenn wir hier schon so über ganz persönliche Stile philosophieren, dann kommt uns ziemlich schnell Stephen West in den Sinn, oder sollen wir lieber sagen: der Superguru in Sachen Strickdesigns. Er entwirft nämlich genau so, wie es ihm gefällt.

Seine Designs wirken manchmal wie abstrakte Gemälde, die beschlossen haben, einfach in Wollform weiterzuleben – viel Farbe, spannende Linien, ungewöhnliche Kombinationen. Teile, bei denen man erst mal denkt: Wow. Und dann gleich hinterher: Wie bitte strickt man das?

Und genau das ist das Schöne daran: Es sieht viel komplizierter aus, als es am Ende ist. Hinter dem scheinbaren kreativen Chaos steckt eine logische Anleitung, die sich wunderbar nacharbeiten lässt. Man wächst da regelrecht hinein und wundert sich am Ende ein bisschen über sich selbst, was man plötzlich alles kann.

Aktuell gibt es drei seiner Anleitungen auf Deutsch, und wir sind ehrlich gesagt ziemlich gespannt, wie diese Designs bei euch ankommen. Eines ist auf jeden Fall sicher: Langweilig wird’s damit ganz bestimmt nicht.

Naja, eigentlich ist genau das ja unser großer Vorteil als Stricker*innen: Langweilig wird es bei uns sowieso nie. Ideen gibt es immer mehr als Zeit und genau so mögen wir das heimlich auch ein bisschen.

Zum Beispiel könnt ihr euch ganz entspannt durch die neuen Frühlingshefte von Lang Yarns und Lana Grossa blättern und schon mal Ausschau nach Projekten halten, die ihr vielleicht noch dieses Jahr anschlagt oder eben erst in fünf Jahren. Wir urteilen da nicht. Strickpläne haben schließlich ihr ganz eigenes Zeitgefühl.

Besonders angetan hat es uns das NERA Magazin von Lana Grossa, das, nur ganz nebenbei, der Nachfolger des ersten NERO Winter Magazins ist. Dann wäre da auch das FAM 288 von Lang Yarns mit rund 60 neuen Designs. Also eigentlich wirklich genug Inspiration, um die nächsten Jahre ganz locker zu überbrücken – natürlich ein bisschen Ironie inklusive.

Zum Abschluss haben wir noch zwei schöne Neuigkeiten aus dem Garnregal für euch: ein ganz neues Garn und ein älteres Lieblingsgarn, das endlich wieder verfügbar ist. Und wie immer gilt: In der Wollwelt entscheidet ganz allein ihr, welches Garn, welche Anleitung und welche Farbe bei euch einziehen dürfen.

Jetzt wünschen wir euch ein schönes Strickwochenende. Und in 14 Tagen melden wir uns wieder mit neuen oder wiederentdeckten Strickideen bei euch. Bis dahin: viel Freude & viel Erfolg.

PS: Für alle, die nach den fehlenden Farben von CaMaRose Snefnug Ausschau gehalten haben: Die Garne sind bereits in Nachproduktion und sollen zwischen Anfang und Ende März wieder bei uns eintreffen. Bis dahin heißt es leider noch ein kleines bisschen Geduld haben.

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