Es gibt da dieses kleine Missverständnis, das sich erstaunlich hartnäckig hält: der Gedanke, der Wollvorrat würde sich „eh bald aufbrauchen“.

Wir wissen auch nicht genau, woher dieser Optimismus kommt. Vielleicht aus derselben Ecke wie „ich fang heute nur schnell ein kleines Projekt an“ oder „nur noch eine Reihe, dann geh ich schlafen“. Klingt im ersten Moment alles völlig vernünftig. In der Praxis. Nun ja. Sagen wir so: Der Wollvorrat hat sich davon noch nie beeindrucken lassen.

So ein Vorrat hat nämlich seine ganz eigene Logik. Von außen betrachtet ist es einfach eine Kiste oder zwei. Oder dieser eine Korb, der eigentlich nur eine Übergangslösung sein sollte und inzwischen sehr selbstverständlich zum Einrichtungsstil gehört. Von innen betrachtet ist das übrigens kein Chaos, sondern eine fein kuratierte Sammlung zukünftiger Lieblingsstücke. Ein Pullover in der Warteschlange. Ein Tuch mit großem emotionalem Potenzial und mindestens drei Projekte, die „als Nächstes ganz sicher drankommen“.

Und dann, dann stehen wir wieder vor neuer Wolle. Nehmen ein Knäuel in die Hand. Fühlen. Drücken. Leicht an die Wange halten (rein fachlich, versteht sich). Und wissen ganz genau: Für dieses Projekt hätten wir daheim eigentlich schon was. Theoretisch stimmt das sogar. Praktisch ist dieses Garn hier natürlich ganz anders. Weicher. Schöner. Genau dieser Farbton zwischen „passt zu allem“ und „macht jedes schlichte Muster plötzlich spannend“. Außerdem, ganz wichtig: “So etwas hatte ich noch nie.” Also zumindest nicht genau so. Nicht in dieser Zusammensetzung, nicht mit diesem Gefühl.

Überhaupt muss man ehrlich sagen: Stricken ohne Woll-Shopping wäre ja auch nur das halbe Erlebnis. Das Stöbern, das Anfassen und dieses kurze Kopfkino mit all den Ideen, die man für diesen wunderbaren Wollknäuel hat – das gehört einfach genauso dazu wie Maschen anschlagen. Inspiration braucht schließlich Material. Natürlich rein wissenschaftlich betrachtet.

Falls jetzt also jemand gerade leicht nervös Richtung Wollkorb schielt und sich denkt: Ich hab eindeutig zu viel Garn zuhause – können wir beruhigen. Dieses „Problem“ teilen wir alle. Wirklich alle. Das ist sozusagen Teil der Grundausstattung des Hobbys. Und wie man weiß: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wobei wir zugeben müssen, so richtig leiden tut hier deshalb eigentlich niemand.

So ein Wollvorrat ist ja auch ein bisschen wie ein kreatives Tagebuch. Da liegt das Garn aus dem Urlaub, daneben das Knäuel, das man gekauft hat, weil der Winter sicher lang wird. Und irgendwo unten diese eine Wolle, bei der man sich bis heute fragt, was genau eigentlich der Plan war, aber weggeben? Auf gar keinen Fall. Man weiß ja nie. Das nennt man strategische Vorratshaltung.

Der Mythos, dass der Wollvorrat „bald kleiner wird“, hält sich trotzdem erstaunlich hartnäckig. Aber bis es wirklich so weit ist, also so richtig, messbar und sogar für kritische Blicke von außen erkennbar, machen wir einfach weiter wie bisher. Hier ein paar Reihen stricken, dort ein neues Projekt planen, ein Knäuel streicheln und sicherheitshalber zwei mitnehmen. Rein vorsorglich natürlich. Man weiß ja schließlich nie, welches Projekt als Nächstes ganz dringend gestartet werden muss.

Na ja, wenn wir ehrlich sind, wissen wir bei „Wolle + Staune“ natürlich immer ganz genau, welches Projekt als Nächstes dringend gestartet werden muss. Schließlich haben wir uns selbst ganz offiziell zu Wollbeauftragten ernannt und diese Verantwortung nehmen wir natürlich ausgesprochen ernst.

Vielleicht ist nämlich in den letzten Tagen auch ganz zufällig und völlig unerwartet wieder eine neue Kollektion von Sandnes Garn aufgetaucht, und wir wären ja wirklich nachlässig, würden wir euch das vorenthalten. Reine Informationsweitergabe also. Selbstlos, wie wir sind.

Aber psst … diesen Teil bitte jetzt ganz leise lesen. Nicht, dass die Vernunft in euch plötzlich merkt, dass ihr gedanklich schon wieder mitten in der nächsten Strickprojekt-Planung steckt und der Wollkorb sich in naher Zukunft ziemlich sicher noch ein kleines bisschen vergrößern wird.

In bester Sandnes-Garn-Manier bringt die neue Kollektion wieder wunderbare Lieblingsstücke mit, die sich unkompliziert kombinieren lassen und trotzdem das gewisse Etwas haben.

Die feine Basket Clutch ist ein kleines, schnelles Projekt mit großer Wirkung – gehäkelt mit Puffmaschen, die eine strukturierte, fast gewebte Oberfläche zaubern. Der Mina Sweater wird von oben nach unten gestrickt, mit Knopfleiste an der Schulter und schön geformter Passform – geschlossen schlicht, mit offenen Knöpfen lässig. Etwas figurbetonter zeigt sich der Ember Cardigan mit Taille, strukturiertem Ärmelansatz und Taschen.

Der Lyra Sweater ist im Grunde ein Klassiker – Raglan, glatt rechts – bekommt aber durch die leicht trompetenförmigen Ärmel einen modernen Dreh. Der Aria Sweater geht wieder in eine ruhigere Richtung: klare Linie, schöner Kragen, schlicht, aber mit genau der richtigen Portion Eleganz, damit er einfach zu allem passt.

Verspielt wird es mit der Lilly Blouse, einer Jacke mit Raglanzunahmen, Popcornkanten und I-Cord-Details – alltagstauglich und trotzdem besonders. Der Aria Cardigan eignet sich perfekt zum Layern, offen lässig oder geschlossen etwas schicker. Der Elva Sweater ist ein echtes Basic im Rippenmuster, das je nach gewählter Größe ganz unterschiedlich wirkt. Und der Loom Sweater verbindet klassische Zöpfe mit lässiger Oversize-Passform.

Vielleicht hat bei dem einen oder der anderen nach diesem Beitrag ja doch kurz das schlechte Gewissen beim Blick auf die Wollsammlung angeklopft. Aber keine Sorge, das heißt noch lange nicht, dass ihr jetzt komplett auf neue Projekte verzichten müsst. Man kann sich schließlich auch ganz vernünftig für ein Projekt entscheiden, das nur fünf Knäuel braucht, statt für eines mit stolzen zweiundzwanzig.

Manche würden das vielleicht Schummeln nennen. Wir nennen es ganz klar strategische Wollkorboptimierung.

Damit sich aber nicht nur unser Wollkorb, sondern auch unsere bereits gestarteten Strickprojekte ein kleines Stück weiterentwickeln, entlassen wir uns und euch jetzt ganz offiziell ins Strickwochenende.

Wir wünschen euch wie immer viel Erfolg, Geduld, starke Nerven und natürlich ganz viel Freude. Wir lesen uns dann in zwei Wochen wieder.

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