Es gibt Fragen, die wir StrickerInnen vermutlich alle kennen und die meistens mehr nach sich ziehen, als uns lieb ist. Dabei fängt alles so harmlos an: Wir tragen stolz unseren neuen, selbst gestrickten Pullover und bekommen ein nettes Kompliment. „Oh, der ist aber schön! Ist der selbst gestrickt?“
Wir freuen uns natürlich, nicken stolz und erzählen vielleicht noch kurz, welche Wolle wir verwendet haben. Bis dahin war die Welt auch noch völlig in Ordnung.
Und dann passiert es. „Du, kannst du mir auch so einen stricken?“
Eine eigentlich ganz harmlose Frage. Zumindest für die Person, die sie stellt. Besonders interessant wird es, wenn noch ein „Das geht bei dir doch sicher ganz schnell“ hinterherkommt.
Aber natürlich. Wir haben den Pullover ja praktisch ganz nebenbei gemacht. Zwischen Frühstück und Mittagessen. Eben schnell, während die Waschmaschine gelaufen ist.
Ein bisschen Wolle, ein bisschen Zeit
Offenbar hält sich die Annahme hartnäckig, dass ein Pullover ungefähr so entsteht wie ein Fertigpudding. Zwei Zutaten, ein bisschen umrühren und nach kurzer Wartezeit hat man ein fertiges Ergebnis.
Dass wir dafür durchaus 40, 50 oder mehr Stunden brauchen können, spielt dabei offenbar keine große Rolle. Schließlich machen wir das ja gerne. Und Dinge, die man gerne macht, zählen bekanntlich nicht als Arbeit.
Nach dieser Logik könnten wir auch unseren Bekannten, der leidenschaftlich gerne kocht, bitten, die Verpflegung für unsere nächste Geburtstagsfeier zu übernehmen. Für 25 Personen. Er kocht ja sowieso gerne. Wir vermuten allerdings, dass die Begeisterung überschaubar wäre.
Die Preisverhandlung beginnt
Hat man sich darauf geeinigt, dass ein Pullover vielleicht doch nicht ganz von selbst entsteht, kommt meistens die Materialfrage.
„Was kostet denn die Wolle dafür?“ Sagen wir 120 Euro. Kurze Stille. „Nur die Wolle?“
Ja. Nur die Wolle! Nadeln haben wir ja zum Glück schon. Und unsere Arbeitszeit stellen wir selbstverständlich nicht in Rechnung. Wir sind ja schließlich keine Unmenschen.
Besonders schön ist an dieser Stelle der Hinweis, dass man um das Geld ja schon fast zwei fertig gekaufte Pullover bekommt. Das stimmt natürlich. Dort sind meistens sogar die Ärmel schon dran. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Für dich ist das ja keine Arbeit
Eine unserer persönlichen Lieblingsaussagen lautet übrigens: „Du kannst das ja so gut, für dich ist das sicher überhaupt keine Arbeit.“
Das ist natürlich ein schöner Gedanke. Sobald man etwas gut kann, erledigt es sich offenbar von selbst.
Dabei suchen wir passende Anleitungen, berechnen Größen, machen Maschenproben und hoffen anschließend, dass das fertige Stück tatsächlich die gewünschten Maße hat. Zwischendurch zählen wir Maschen, korrigieren Fehler und trennen gelegentlich Teile wieder auf und nehmen Wörter in den Mund, die wir hier besser nicht hinschreiben.
Aber gut. Wir sitzen dabei meistens gemütlich auf dem Sofa. Da kann man wohl wirklich schwer von Arbeit sprechen.
Und dann noch die Sonderwünsche
Besonders spannend wird es, wenn dann plötzlich ein individuelles Designerstück entstehen soll.
„Also eigentlich genau so wie deiner. Nur vielleicht ein bisschen länger. Und nicht so weit. Die Ärmel könnten auch schmäler sein. Und gibt es die Wolle auch ein bisschen weniger kratzig?“
Spätestens jetzt befinden wir uns mitten in einer Auftragsbesprechung. Es fehlt eigentlich nur noch die Frage, ob wir vorab vielleicht ein Musterstück zur Freigabe schicken können und ob man den Auftrag gegebenenfalls stornieren kann, wenn man es sich dann doch anders überlegt.
Und während wir dann gedanklich bereits Garnstärken vergleichen und Größen anpassen, kommt noch ein fröhliches: „Aber mach dir bitte keinen Stress!“ Danke, das ist nett. Wirklich!
Nicht jeder bekommt einen Pullover
Versteht uns nicht falsch, natürlich stricken wir gerne Geschenke. Es gibt schließlich Menschen, bei denen wir schon beim Wollkauf wissen, dass ihnen eine bestimmte Farbe wunderbar stehen würde. Für die wir stundenlang Maschen zählen und auch den dritten Versuch eines zu engen Ärmels noch einigermaßen gelassen hinnehmen. Der kleine Unterschied liegt darin, dass wir uns selbst dafür entscheiden.
Für alle, die trotzdem unbedingt einen selbst gestrickten Pullover möchten, hätten wir eine wunderbare Lösung: Wir stricken ihn gemeinsam!
Wir zeigen die ersten Maschen, erklären die Grundlagen und helfen selbstverständlich gerne weiter. Vielleicht gibt es sogar Kaffee und Kuchen dazu.
Und damit jetzt niemand mit der Ausrede „Ich weiß doch gar nicht, wo ich Wolle und Anleitung herbekomme“ davonkommt, liefern wir beides gleich mit. Schließlich soll unserem gemeinsamen Stricknachmittag wirklich nichts im Wege stehen.
Starten wir mit einer besonders schönen Auswahl an Kapuzenschals. Oder wie man heutzutage sagt: Balaklavas! Klingt gleich ein bisschen modischer, hält aber vor allem wunderbar warm.
Besonders entzückend finden wir die Layla Bonnet von Gregoria Fibers. Eine großzügig geschnittene Kapuze mit Schleife, die uns stilvoll durch die kalten Tage begleitet. Die Strickanleitung gibt es leider nur auf Englisch. Aber in Zeiten künstlicher Intelligenz sollte das ja wirklich kein Problem mehr sein.
Dieses wunderbare Foto haben wir uns von @urtes.knits ausgeliehen
Evelyn hat aktuell die Sophie Hood von PetiteKnit auf den Nadeln. Als sie allerdings den Nomad Scarf von Paula-m entdeckt hat, kamen kurz Zweifel an ihrer Entscheidung auf. Aber zum Glück sind Kapuzenschals keine allzu großen Strickprojekte. Da kann man durchaus noch einmal 15 Stunden in ein weiteres Modell investieren. Wir haben ja schließlich sonst nichts vor.
Ein besonders kuscheliges Modell für die (vielleicht) bevorstehenden kalten Tage ist die My Flow Hood von NORgarnknitters. Und wer von Balaklavas noch immer nicht genug hat, findet HIER noch mehr Inspiration.
Wer hingegen lieber eine klassische Haube trägt oder vielleicht sogar den Göttergatten mit etwas Selbstgestricktem beglücken möchte (vorausgesetzt natürlich, er hat sich diese Ehre verdient), sollte unbedingt die Chantal Beanie von Moreca Knit in Betracht ziehen.
Auch die Basic Socken Light von Paula-m eignen sich wunderbar als kleines Strickgeschenk. Schließlich muss man nicht gleich seine halbe Lebenszeit investieren, um jemandem eine Freude zu machen.
Aber jetzt schnell zurück zur Beglückung unserer eigenen Wenigkeit. Heute sind wir einfach mal ein bisschen egoistisch.
Sabine hat sich in das Kaschmirgarn von Sandnes verliebt. Zugegeben, das Garn gehört nicht unbedingt zu den günstigsten seiner Art, dafür ist die Haptik einfach ein Traum. Und spätestens beim Anblick des Miu Pointelle Shawls war die Entscheidung gefallen: Manchmal muss man eben ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Schließlich stellen wir uns die Arbeitszeit ja nicht in Rechnung.
Noch ein bisschen mehr verliebt ist Sabine allerdings in den Nola Sweater von Sandnes Garn. Zwar warten bei einigen anderen Projekten noch ein paar Fäden darauf, vernäht zu werden, aber der Entschluss steht: Der Nola Sweater kommt demnächst auf die Nadeln. Nur bei der Farbe ist Sabine noch unschlüssig. Vielleicht wird es ja Rot?
Auch wenn wir draußen bis vor wenigen Tagen noch Temperaturen von bis zu 25 Grad hatten, möchten wir euch ganz kurz und vorsichtig daran erinnern, dass Weihnachten tatsächlich schon zum Greifen nahe ist. Ganz zur Freude von Sabine, die am liebsten schon längst die Weihnachtsdekoration ausgepackt hätte. Deshalb können wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, euch auch in diesem Beitrag wieder zwei festliche Strickanleitungen ans Herz zu legen. Zum Eve Dress gibt es übrigens ebenfalls nur eine englische Anleitung.
Und gerade weil Weihnachten vor der Tür steht, möchten wir noch einmal an unser ursprüngliches Anliegen erinnern: Selbst gestrickte Geschenke sind etwas Wunderbares. Vor allem, wenn wir selbst entscheiden dürfen wer sie bekommt. Wer also noch einen Pullover, eine Haube oder ein Paar Socken auf seinem Wunschzettel stehen hat, könnte die Gelegenheit nutzen und selbst zu den Nadeln greifen. Die passende Inspiration hätten wir ja nun ausreichend geliefert.
Damit diese Botschaft auch wirklich bei den richtigen Personen ankommt, dürft ihr diesen Beitrag natürlich gerne großzügig an eure Verwandten, Bekannten und Freunde weiterleiten. Natürlich ganz ohne Hintergedanken. Wir möchten schließlich nur die Freude am Stricken verbreiten. 😉
In 14 Tagen lesen wir uns wieder mit neuen Stricknews und hoffen, dass wir bis dahin einige Nicht-StrickerInnen für unser schönes Hobby begeistern konnten.









